|
Zeit des Nationalsozialismus
Nach der „Machtergreifung“ der Nationalsozialisten im Jahre 1933
wurde Oberbürgermeister Otto Hipp am 20. März 1933 abgesetzt,
welcher der NSDAP noch zu Beginn der dreißiger Jahre die Nutzung
städtischer Gebäude untersagt hatte. Am 12. Mai 1933 fand auf dem
Neupfarrplatz eine Bücherverbrennung statt. Im selben Jahr ließ
Oberbürgermeister Otto Schottenheim (1933–45; NSDAP) im Norden der
Stadt den Bau einer – zunächst nach ihm benannten –
„nationalsozialistischen Mustersiedlung“ beginnen (heute:
Konrad-Siedlung).
Am 9. November 1938 wurde im Zuge der Reichspogromnacht die Synagoge
am Brixner Hof niedergebrannt, die verbliebenen jüdischen Geschäfte
geplündert und die jüdische Bevölkerung Regensburgs terrorisiert. Am
2. April 1942 wurden 106 Regensburger Juden vom Platz der zerstörten
Synagoge aus nach Piaski transportiert und im Vernichtungslager
Belzec ermordet. Weitere Transporte, unter anderem in das KZ
Theresienstadt, folgten bis 1943. Im Stadtteil Stadtamhof befand
sich ein Außenlager des KZ Flossenbürg. Weitere KZ-Außenlager
befanden sich im „Colosseum“ mit 400 Häftlingen sowie auf dem
Flugplatz Regensburg-Obertraubling. Insgesamt fielen 200–250
Regensburger Juden dem Holocaust zum Opfer, 233 war die Emigration
geglückt.
1939 wurde Regensburg dem Reichsgau Bayerische Ostmark (Sitz:
Bayreuth) zugeschlagen. Im Herbst 1942 zerschlug die Gestapo die
sog. Neupfarrplatz-Gruppe, eine aus etwa 50 Personen mit
unterschiedlichstem weltanschaulichen Hintergrund bestehende
Widerstandsbewegung. Neun Angehörige wurden hingerichtet, der Rest
zu Zuchthausstrafen und Ehrverlust verurteilt.
Im Jahre 1940 beginnend wurden aus dem Bezirksnervenkrankenhaus an
der Ludwig-Thomas-Straße insgesamt 638 Frauen, Männer und
Jugendliche im Rahmen der „Euthanasie“-Aktion T4 in die
Tötungsanstalt Hartheim deportiert. Mehr als 500 weitere Menschen
wurden gegen ihren Willen sterilisiert.
Mit Beginn des Zweiten Weltkrieges wurden in und um Regensburg
mehrere Arbeitslager für sowjetische Kriegsgefangene errichtet. Etwa
700 von ihnen wurden Opfer von Zwangsarbeit bzw. fielen Seuchen und
den elenden Lebensbedingungen zum Opfer. Im Zweiten Weltkrieg hatte
Regensburg unter schweren Luftangriffen zu leiden. Im Vergleich zum
Zerstörungsgrad anderer deutscher Innenstädte wurde die Altstadt
weniger in Mitleidenschaft gezogen, wenngleich mit der Stiftskirche
Obermünster eines der bedeutendsten Baudenkmale der Stadt völlig
verloren ging und andere historische Bauten wie z. B. die Alte
Kapelle oder die Neue Waag am Haidplatz ernsthaft beschädigt wurden.
Angegriffen und getroffen wurden hauptsächlich die am Stadtrand
gelegenen Messerschmitt-Werke (siehe auch Operation Double Strike),
damals die größten Flugzeugwerke in Europa. Bei insgesamt 20
Bombenangriffen der Royal Air Force und der 8. US Air Force 1943–45
starben etwa 3.000 Menschen, darunter viele Kriegsgefangene. 1945
erfolgte eine Teilsprengung der Donaubrücken. Die Stadt selbst wurde
jedoch schließlich kampflos übergeben, nicht zuletzt aufgrund einer
Demonstration der Regensburger Frauen und des Dompredigers Dr.
Johann Maier am 23. April 1945. Maier forderte die Übergabe, damit
die Stadt nicht beschädigt werde. Am folgenden Tag wurde er wegen
„Sabotage“ zusammen mit dem Regensburger Bürger Josef Zirkl und dem
pensionierten Gendarmeriebeamten Michael Lottner öffentlich
hingerichtet. An der Hinrichtungsstelle am Dachauplatz wurde ein
Mahnmal errichtet und Maiers Gebeine 2005 in den Regensburger Dom
überführt.
Gedenkstätten
Am Gewerkschaftshaus in der Richard-Wagner-Straße wird seit 1986 mit
einer Gedenktafel an zwei NS-Opfer aus der Arbeiterbewegung
erinnert: an die SPD-Reichstagsabgeordnete Antonie Pfülf, die aus
Verzweiflung über die Handlungsunfähigkeit ihrer Partei und der
Gewerkschaften 1933 in den Freitod gegangen war. Nach ihr wurden
auch die örtliche Parteizentrale benannt sowie ein Preis mit ihrem
Namen gestiftet. Der andere war der SPD-Landtagsabgeordnete Alfons
Bayerer, der nach langjähriger Zuchthaushaft 1939 an den Haftfolgen
starb.
Erinnerungsstätten an die Opfer der Shoa
Seit 1986 erinnert eine Gedenktafel am Jüdischen Gemeindehaus an die
Zerstörung der Synagoge und an die Verfolgung und Ermordung
hunderter jüdischer Bürger, die Opfer der Shoa wurden. Eine
Erinnerungstafel an ermordete jüdische Schülerinnen haben Schüler
des Von-Müller-Gymnasiums 1987 im Foyer ihrer Schule angebracht. Auf
dem Jüdischen Friedhof an der Schillerstraße geben Inschriften auf
Grabsteinen Auskunft über den unnatürlichen Tod dieser Verstorbenen.
Gedenken an die Opfer der Nationalsozialistischen Rassenhygiene
Am Altbau des Bezirksnervenkrankenhauses erinnert seit 1990 eine
Gedenktafel an die 638 ermordeten Psychiatriepatienten und an
weitere Opfer des NS-Rassenwahns.
Gedenken an KZ-Häftlinge und
Kriegsgefangene
In einer Grünanlage an der Kreuzung Siemens-/Straubingerstraße
erinnert seit 1988 das „Mahnmal am Hohen Kreuz“ (Bildhauer Heinrich
Glas) an 700 sowjetische Kriegsgefangene, die im Zweiten Weltkrieg
Opfer brutaler Zwangsarbeit und unmenschlicher Lebensbedingungen
wurden. Mit einem Mahnmal für die Opfer des Lagers „Colosseum“ wird
der teils jüdischen KZ-Häftlinge dieses und anderer Außenlager
gedacht.
Erinnerung an Verbrechen in der Endphase des Zweiten Weltkriegs
An den Mord an Domprediger Johann Maier, den Lagerarbeiter Josef
Zirkl und den Polizeiinspektor Michael Lottner am 23. April 1945
wird an mehreren Stellen der Stadt erinnert. Sie hatten versucht,
die Forderung der „Regensburger Frauendemonstration“ nach kampfloser
Übergabe der Stadt an die US-Truppen zu vermitteln und wurden
daraufhin von Beamten der Gestapo erschossen bzw. öffentlich
erhängt. Daran erinnern seit 1946 eine Gedenktafel im Dom, zwei
weitere Tafeln seit 1950 am Ort ihrer Hinrichtung am Dachauplatz,
sowie seit 1975 mit einem Denkmal in einer Grünanlage am
Dachauplatz.
|