Die Stunde am Gipfelkreuz

Kamerad - weißt du es noch? -Ich vergesse sie nimmer

jene Stunde am Gipfelkreuz mit ihrem leuchtenden Schimmer.

Wir kämpften uns müde den Berg hinan,

der Sturm heulte uns um die Ohren,

der Berg wollt uns warnen: kehrt um, kehrt um

ihr armen, armseligen Toren!

Wir stemmten uns mühsam durch Wand und Kamin wenn klamm auch die Hände uns waren,

wir achteten nicht der eisigen Kalt und aller der lauernd Gefahren.

Wir klammten uns in Griff und Gestein, da über uns Wächten zersprangen.

Von Steinen zerschlagen hat unser Seil zerfetzt in den Haken gehangen.

Doch als wir dann oben am Gipfelkreuz uns reichten stumm die Hände ,

da wußt ichs für immer, Gefährte am Seil, daß nimmer die Treue sich wende.

So geht auch im Alltag der Blick oft zurück zur Stunde voll leuchtendem Schimmer

-der Kampf um den Berg, der Sieg dort am Kreuz, ich glaub, ich vergeß es wohl nimmer.





Schein des Feuers

Schein des Feuers lag auf unseren Gesichtern, da wir schauten in die dunkle Nacht.

Und die Sterne waren aufgesteckt gleich Lichtern, endlos Glänzen, mehr als aller Welten Pracht.

Schein des Feuers war in unsern Herzen, da wir Worte sprachen, voller leisem Klang,

und wir formten diese Worte unter Schmerzen, war's doch der Seele tiefer dunkler Drang.

Schein des Feuers leuchtete in unsere Jugend,

da der Sehnsucht Bild vor uns erstand,

und die Tapferkeit uns höchste Tugend,

das Bereitsein für das Reich und für das Land.

Schein des Feuers liegt auch heut auf unsrem Leben, und war es nur das ferne Abendrot.

Die neue Pflicht hat uns das Feuer wiederum gegeben, zu leuchten uns - und sei es auch zum Tod.





Akropolis

Der Atem der Jahrtausende hat mich umweht, da ich den Berg sah stehn im Morgenlicht,

den heiligen Berg, den Göttern einst geweiht, nach tausend Jahren er noch seine Sprache spricht.

Geborsten sind die Mauern in den heiligen Hallen und durch die Opferräume geistert Schweigen,

immer aber noch stehen die Säulen, vor deren Schönheit sich die Zeiten neigen.

Vor dieser Schönheit und dem Geist, der solches schuf,

der kraftvoll in der Form den Stein bezwang,

den toten Stein im Werk zum Leben weckte,

und dieses Werk, es steigt zum Himmel wie Gesang.

Sie fanden damals in dem Suchen um die ewigen Dinge

vor allem Eines, das Gesetz der Harmonie,

bewundernd stehen wir davor und staunen

und spüren wie um diese Säulen geht

von Kunst und Macht der Alten ein geheimes Saunen.

Die Menschen starben und Macht verging immer aber noch stehn für das Werk

die Säulen und Tempel, die sich erheben über der Stadt auf dem heiligen Berg.

Mai 1941





Du toter Kamerad

Du toter Kamerad, da möchten diese meine Worte zu dir gehen,

denn ich kann nicht an deinem Grabe stehen,

an deinem Grab im fernen Land,

darin dein Leib die Ruhe fand,

die Ruh der Ewigkeit.

Ich war bei dir, hab dir die Augen zugedrückt,

die Augen, die so eigen mich angeblickt

als der Tod, der über dich kam,

dich aus meinen Armen nahm, der Tod.

Dein Sterben war leicht, und doch voll von unsagbarem Schmerz

erschien mir dein Abschied nehmendes Herz.

"Gott - mein Leben - Mutter -

Herzlieb -grüße sie und sag, daß ich tapfer blieb -" das waren die letzten Worte.

Dann wieder Kampf, ich mußte fort und ließ dich allein,

ich konnte nimmer bei dir sein.

Und andere haben das Letzte getan,

was man einem Toten erweisen kann auf dieser Welt.

Wo du gefallen, da gruben sie dich in die Erde hinein,

fünf Spaten tief mochten es sein,

dann war es groß genug das Grab und leise senkten sie dich hinab,

dumpf polterten die Schollen.

So deckten sie dich zu. Und als genug Erde über dir,

da wölbten sie einen Hügel schier

und setzten noch ein Kreuz hinein aus Birkenholz so weiß und fein

und legten hin den Helm.

Und auch ein Schild, worauf geschrieben dein Name war,

wann du gefallen, der Tag und das Jahr.

Vielleicht sprach noch einer: Leb wohl, Kamerad, vielleicht auch einer gebetet hat. Gott hörte beides.

Du toter Kamerad, mein Herz, es hat um dich geklagt,

nach dieses Schicksals Sinn gefragt.

Ich denke dein in dieser Zeit, Denk du an mich in der Ewigkeit,

mein toter Kamerad.





Advent

Die Berge sie stehen in ruhiger Ferne.

Es leuchtet der Mond und die ewigen Sterne.

Der Himmel so klar und so hoch und so weit-.

Auf Erden ist harte Winterszeit.

Der j?rost geht um, es ist bitter kalt.

Im Schnee vergraben liegt Acker und Wald.

Raureifbeladen steht am Wege manch Baum

in seiner Pracht ein Wintertraum.

Der Bach rinnt weiter in seinem Lauf,

er muß hinab, ihn hält nichts auf.

Das Wasser gluckst leise vom Brunnenrohr.

Der Trog schon zu einem Kristall gefror.

Noch ist es eine gar frühe Stund,

da dröhnt vom Kirchturm der Glocke Mund.

Es klingt das ganze Tal entlang

und überall hört man den hellen Klang.

Von jedem Hof, von jedem Haus

zieht nun ein kleines Lichtlein aus.

In die .Kirche, z.um Glänze der Kerzen

ziehn die Beter mit gläubigem Herzen,

wo der alte Priester im goldenen Ornate

mit brüchiger Stimme singt das Rorate.

Das Engelamt singt er - Kyrie eleis -

Advent ist wieder - dem Herrn sei Preis.

Dezember 1940



Der Bergwind

Über die Berge komm ich. gegangen auf vielen verborgenen Wegen,

im Brausen, im Stürmen, im linden Wahn und auch wann rinnet der Regen.

Ich streich über Täler, ich zieh über Höhn, es gilt für mich keine Zeit.

Ich singe das Lied, das ich singen muß in meiner Einsamkeit.

Das Lied, das wie eine Glocke klingt und wie ein ferner Ruf,

von Gott tönt, der hoch über uns thront und der alle Schönheit schuf.

Das voller Sehnsucht nach Weite ist nach Freiheit und stiller Größe,

nach Bergen, die bis in den Himmel gehen in reiner schneeiger Blöße.

Das Lied, das von dem Süden erzählt und seiner Glut und Sonne,

der manchen gelockt und manchen betört mit seiner Lust und Wonne.

Das Lied, in dem die Wolken sind, ihr Leuchten, ihr ruhloses Jagen;

die Wolken, die nichts über sich als nur die Unendlichkeit tragen.

Das Lied, das manchen gefangen nahm und ihn zwang, gleich mir zu wandern,

damit er erfahre die Schönheit der Welt von einem Ort zum ändern -

damit er erfahre sein eigenes Blut,

nicht raste im Höherstreben,

damit er wandre immerzu

bis einmal zu Ende das Leben.

So klingt mein Lied durch alle Zeit bis in die Letzten Tage.

Dem einen war mein Ruf ein Nichts, doch vielen die ewige Frage.

Ich weiß nicht, welche Antwort wird, ich muß ja weiterwehen,

muß weitersingen mein altes Lied im über-die-Berge-gehen.





Das letzte Geleit

Wir stiegen über die Berge hinab ins feindliche Land,

in Täler voller Frühling, wo alles in Blüten stand.

Es schwiegen die Geschütze, vorbei war Schlacht und Streit,

schon gingen wieder Träume in eine schönre Zeit.

Doch oben in den Bergen, da lag gar manches Grab

und manches Junge Leben, das senkten wir hinab.

Und unten in dem Tale

im Abendsonnenschein,

da gruben wir dem Letzten

sein Grab in die Erde hinein.

Dem letzten Kameraden

in diesem bösen Streit,

wir gaben mit blutendem Herzen

ihm das letzte Geleit.

Wir brachen von den Bäumen blühende Zweige ab

und schmückten damit den'Hügel über dem einsamen Grab.

Wir steckten ihm auch Blumen in die Erde hinein,

Die Welt stand ja in Blüten, es wollte Frühling sein..

Wir zogen wieder weiter und ziehen immerzu,

die Bäume über den Gräbern, sie rauschen von ewiger Ruh.

(Georg Käser gewidmet, der am 8.4.1941 gefallen ist) April 1941





Lied der Berchtesgadener Jäger

Die Trommel hat gerufen, mit ihrem dumpfen Klang

es ging ihr Trommeln und Rufen durchs ganze weite Land

es dröhnte an unsere Herzen und alle waren bereit

wir zogen in die Ferne zum harten schweren Streit.

wir gingen fort von den Bergen, den Tälern, Gipfeln und Höhn

wir Berchtesgadener Jäger, zum Kampf für die Heimat zu stehn.

Wir zogen, nach dem Osten, die Fahne ging uns voran

und dieser Fahne folgten wir alle Mann für Mann

wir sprachen nicht viel Worte, das kannten wir alle nicht

bei unseren Kämpfen in Polen erfüllten wir schweigend die Pflicht

für die Heimat und für die Fahne, die Pflicht ist für alle gleich,

uns Berchtesgadener Jägern, uns war die Fahne das Reich.

Die Trommel sie muß nun schweigen, die Fahne führet uns nicht

doch wir wissen, auch dies Warten gehört zu unsrer Pflicht.

Und wenn wir wieder gerufen in neuen Kampf hinein

dann werden wir wieder die alten, stürmenden Jäger sein

dann soll der Feind erfahren in seinem eigenen Land

von Berchtesgadener Jägern, denen keiner widerstand.

Doch wenn einst die Glocken erklingen mit ihrem hellen Klang

dann geht ein freudiges Jauchzen durch unser ganzes Land dann singen wir ein neues ,

ein siegesstolzes Lied dann ziehen wir ein in der Heimat, deren Liebe uns immer blieb, dann werden wir marschieren,

wenn zu Ende ist der Streit, wir Berchtesgadener Jäger, in die kommende, schönere Zeit.



Über dem Grenzgebirge

Über dem Grenzgebirge ist Feindesland, leuchtende Wolken kommen darüber gezogen und Winde, die warm sind und lau.

Die Tage hier sind erfüllt von der Sonne, die glühend aufsteigt über den Bergen und schattenlos wandert im matten Blau.

Am Abend rauschen dann die kleinen Feuer,

die Dämmerung umfängt uns wie geheimes Sehnen,

und mancher denkt an seine ferne Frau.

Die Nächte sind in Sterne eingetaucht,

das Kreuz des Südens steht noch nah am Himmelsrand

und von den Gärten weht der Blüten erster Duft.

Alles ist anders und doch nicht fremd,

denn dieses Land, es trägt in sich der Berge Zauber

und durch die Täler gehet ihre herbe Luft.

Über dem Grenzgebirge ist Feindesland,

wir aber liegen in unseren Zelten

und warten bis uns das Schicksal ruft.

1. April



Wieder marschieren Kolonnen

Wieder marschieren Kolonnen die endlosen Straßen entlang,

marschieren durch Tage und Nächte und manchmal tönt ihr Gesang,

Sie ziehen hinein in den Balkan durch manches giftige Land,

überschreiten Ströme und Berge, die keiner von ihnen gekannt.

Sie ziehen in glühender Sonne, durch Kälte, von Winden umweht,

immer dem Feinde entgegen, von dem keiner weiß, wo er steht.

Sie ziehen ins Abenteuer,ins Unbekannte hinein,

die kommenden Schlachten zu schlagen, doch einmal wird Frieden sein.

Wieder marschieren Kolonnen die endlosen Straßen entlang, marschieren durch Tage und Nächte, leise verklingt ihr Gesang.

März 1941



Tanz in Kobiljak

Es dunkelte schon auf der Straße auf einmal da fing es an

das ganze Volk es tanzte die Musik machten drei Mann.

Den Takt schlug ihnen das Pompardon die Trompeten klagten leise

fremd war uns diese Melodie fremd wie die Menschen im Kreise.

Sie hielten sich an den Händen es mocht wie ein Reigen

sein jeder war Glied in der Kette keiner für sich allein.

Sie sprangen und hüpften und machten

kleine kunstvolle Schritte

immer von innen nach außen

und wieder von außen zur Mitte.

Es war dies kein Gunstbezeugen und auch kein süßes Genießen

es war als ob viele Wasser in eines zusammenfließen.

Man sah keinen einzelnen Tänzer man hörte kein einzelnes Singen

es war ein gemeinsamer Rhythmus wie gleiches Zusammenklingen.

Es war dies nicht mehr der Westen es waren schon östliche Weiten

aufklangen in den Seelen ferne, versunkene Zeiten.

Wir standen staunend daneben wir Fremde im fremden Land

nie haben wir solche Weisen nie solchen Tanz gekannt.

März 1941



Lied

Wir marschieren in Kälte und Regen

durch Staub und Sonnenbrand,

wir marschieren dem Feinde entgegen

bis in sein eigenes Land.

Wo immer Schlachten zu schlagen,

wir Jäger, wir ziehen mit,

und wieder in diesen Tagen

erdröhnet unser Schritt.

Denn wir, die bayrischen Jäger

wir waren noch immer dabei:

in Polen und in Frankreich,

in Östreich und in Tschechei.

Nun marschieren wir durch den Balkan

ins ferne Griechenland.

Mag sich auch der Himmel röten,

bald löschen wir diesen Brand.

Und ist uns auch verborgen

das künftige Geschick,

wir marschieren immer weiter

vertrauend auf unser Glück.

Denn wir, die bayrischen Jäger

wir waren noch immer dabei:

in Polen und in Frankreich,

in Östreich und Tschechei.

März



Wir reiten

Wir reiten, doch in dem Lande, da wir geboren, sind in Schmerzen die Herzen der Frauen verloren, deren Liebe uns gehört.

In ihren Augen stand Ja schon beim Abschiedsagen ein stilles Trauern und ein leises Klagen um uns, die wir Soldaten sind.

Um dich und mich, um unser Junges Leben,

das nun wieder einem Größerem ist anheimgegeben,

dem Schicksal voller Dunkelheit.

So rinnen langsam Tränen über ihre Wangen, wenn sich ihr Herz erfüllt mit schwerem Bangen, da sie so einsam sind.

Wir können nicht mehr über ihre Stirnen streichen, und über ihre Wangen, daß die Sorgen weichen, mit weicher, linder Hand.

Wir können nichts mehr tun als in der Ferne Briefe schreiben voll Glauben, damit sie selber stets im Glauben bleiben an unsre Wiederkehr.

Damit das Wissen, das wir selber in uns tragen, ihr eigenes Wissen wird. Und kein banges Fragen erschütternd über ihren Seelen steht.

Damit die Trauer und der Schmerz vergeht

und ihre Sorge nichts mehr ist als ein bittendes Gebet

um uns Soldaten, die wir reiten.

im Monat des Reitens (März) 1941



Marsch nach Süden

Weiter zog das Heer in der Nacht nach Süden dröhnte der Schritt

über uns leuchtend der Sterne Pracht schweigend marschierte ich mit.

Der Struma entlang ging unser Weg den steilen Engpaß empor

wo sich der Fluß in seinem Lauf in Felsen und Tiefe verlor.

Türme und Gipfel stellten auf und dunkelgewaltige Wand

in Kehren kunstvoll hineingebaut die Straße von Menschenhand.

Wir schoben die schweren Lasten hinauf und sicherten sie bergab

das Tempo war schnell, es gab keinen Halt die Letzten, sie fuhren im Trab.

Als wir dann wieder unten im Tal flammte manch Schein durch die Nacht

viele Feuer loderten auf, davor ein Posten auf Wacht.

Es war wie vor Jahrhunderten schon in Kriegen vergangener Zeit Biwak und Zelt

und Feuerschein in Nacht und Dunkelheit.

Manchmal wehten Worte herüber voller Vertrautheit im Klang

von Heimat, Liebe und Mutterherz wie leiser, verlorner Gesang.

Mancher träumte sich da zurück in die Tage vergangener Zeit

war auch die Fremde noch so groß und der Weg auch noch so weit.

Weiter zog das Heer in der Nacht nach Süden dröhnte der Schritt

die flimmernden Sterne verbleichten sacht schweigend marschierte ich mit.

26. März



Brief aus dem Zug

Die andern schlafen, ich bin allein und will dir noch ein wenig schreiben,

wie es mir heute wohl erging und was wir alles treiben.

Es ist nicht viel, ich schrieb dir ja erst gestern von der Puszta und dem weiten Land,

wo nur die Brunnen aus der Ebene ragen und Ebene ist bis an des Himmels Rand.

Die Häuser stehen klein und wie geduckt dazwischen

und sehen anders aus als wie bei uns daheim.

Die Felder stehen meistens unter Wasser,

es fördert dieses wohl des ersten Wachstums Keim.

Auf kleinen Wagen kommt das Volk gefahren, wilde Pferde haben sie davor gespannt,

hier leben Ja des großen Reitervolkes Erben, das aus. der Sage uns gar wohlbekannt.

Ich selber tat ja heut nicht viel,

es ist so wie die letzten Tage auch gewesen,

die Zeitungen, das Schach, ein bißchen Kartenspiel,

und deine Briefe habe ich noch mal gelesen.

Wir schauten in das weite Land hinein.

Der Himmel war von Wolken tief verhangen

und heißer floß das Blut in unsern Adern

als wir in dieses Land hinein die alten Lieder sangen.

Inzwischen ist die Nacht gekommen,

die Müden legten sich zum Schlafen hin,

ich schaute aus dem Fenster nach des Mondes Sichel

und nach der Heimat ging dabei mein Sinn.

Still ist es in dem Raum, ich bin allein, das Licht der Kerze hält bei mir noch Wacht,

ich lösch es aus und denk an dich und sag dir "Gute Nacht".

März 1941



Kurz war die Nacht und kurz die Ruh,

dann ging es wieder voran,

langsam, voll Vorsicht und immer bereit,

Mann ging hinter Mann.

"Die Augen auf und gespäht immerzu,

wo etwas vom Feinde sei,

doch niemals schießen, wir wollen nur sehn,

laßt sie nur ruhig vorbei !"

Gar vieles kam über ihren Weg

und Vieles sahen sie,

manch Zeichen kam in die Karte hinein,

Fuhrpark und Batterie.

Doch als die Sonne höher stieg,

da wurde es Zeit zum Verschwinden,

in einem Haufen Reisig versteckt,

da sollte sie keiner finden.

Der Tag verging und wieder kam Nacht

und wieder der Weg zurück,

sie machten ihn frech und sorgenfrei

und vertrauten auf ihr Glück.

So kam beim nächsten Morgengraun

der Spähtrupp wieder an.

Ihren Auftrag hatten sie erfüllt,

ein Führer und drei Mann.

Februar 1941


Per Spähtrupp

Sie krochen dahin in Moor und Schilf, ein Führer und drei Mann,

nicht weit von ihnen lag der Feind, der Führer kroch voran.

Dort wo es hinausging ins freie Feld, da hielt er plötzlich an;

ein leises Zeichen mit dem Arm, die drei sie kamen heran.

Kaum dreißig Meter waren es noch zum Draht- und Astverhau,

dahinter sah man manch Schützenloch und feindlichen Grabenbau.

"Wie kommen wir durch, wie finden wir hinein ins Hinterland?"

Sie suchten und suchten sich ihren Weg und spähten unverwandt.

"Durch diese Gasse müssen wir durch, die Mulde, dann hin zum Wald,

die Karte noch und die Kompaßzahl, mach zu, es finstert bald."

Die Dämmerung dann schnell verging, da wurde es für sie Zeit.

Die Vier, sie machten sich auf den Weg im Schütze der Dunkelheit.

So wanden sie sich heimlich hindurch, durch Gräben und Drahtverhau,

es kostete sie manchen Schweiß, die Nacht war warm und lau.

An Streifen und Posten ging es vorbei, oft wurde es ihnen ganz bang,

die Faust, sie packte dann fester den Schaft, wohl einen Herzschlag lang.

Leuchtkugeln stiegen über ihnen auf und zeigten am Himmel empor,

dann preßten sie sich näher zur Erd, bis sich der Schein verlor.

So kamen sie durch das Grabengewirr und standen am Waldesrand,

um zu erkunden die Stellungen im weiten Hinterland.

Im Flüsterton besprachen sie leis, was jetzt noch wäre zu tun,

vorerst aber bis der Morgen kam, wollten sie noch ein wenig ruhn.

Nächtlicher Gang in die Grundubelau Hell und klar war die Winternacht

und Berge und Tal voller Größe und Pracht.

Wir gingen den alten Paßweg hinan,

eine lange Reihe, Tier und Mann.

Unter dem Bergschuh knirschte der Schnee,

es glänzte das Eis überm dunklen See.

Die Hufe klapperten bei jedem Schritt

als zöge' ein heimliches Heer bei uns mit.

Des Waldes Schatten lag auf dem Gesicht,

doch dunkel war nimmer der Sterne Licht,

die über den Wipfeln schauten herein -

und dunkel war nimmer der Mondenschein.

Der Weg er führt langsam empor,

bis er sich in einem Kar verlor.

Geröll und Felsen und steile Wand

leuchtend vor meinen Augen stand.

Türme und Zinnen, Gipfel und Grat,

dies alles zum Himmel erhoben sich hat.

Kamine und Risse, Terrasse und Band

und immer wieder die Wand, die Wand.

Dies einmal im Dunkel, dann wieder im Licht,

einmal verhüllt und wieder in Sicht,

einmal im Glänze, dann wieder in Nacht,

doch immer voll Schönheit und immer voll Pracht.

Der Weg ging weiter, den Paß hinan,

und ich ging mit, vor dem Tier der Mann.

Doch unvergeßlich blieb mir diese Schau,

das Kar voller Schönheit, die Grundubelau.

Winter 1940



Da ein Schrei,

und der riß mich empor,

neben uns lag einer im Sterben.

In seinem Schmerz

da schrie er noch auf,

schon schnitt ihm der Tod seine Kerben.

Stille war wieder,

der Wind ging leise durch Blatt und Baum,

aus den Gründen die Nebel stiegen.

Auf der Wiese

da sah ich im rötlichen Licht,

ein Fohlen sich ans Muttertier schmiegen.

Das Feuer verging,

Nur wie ein stilles Abendrot

lag es noch auf Auen und Matten.

Es wuchs die Nacht

und sie dunkelte zu

der hohen Pappeln Schatten.

Man konnte glauben,

das Land sei voll Frieden,

der Krieg nur ein Traum und alles vorbei.

Verlorene Gedanken,

verlorenes Sinnen, als bittere Wahrheit

stand über dem allen - des Sterbenden Schrei.

Zum Neuen Jahr 1940

Anfanget nun ein neues Jahr nie wieder kommt, was einmal war. Doch was dies Jahr auch "bringen mag, es finde uns ohne Jede Klag, es find uns voller Glauben.

Voll Glauben an das goldne Licht, das aus den Wolken niederbricht und das mit seliger Zaubermacht die Dunkelheit uns heller macht, die uns so sehr betreut.

Voll Glauben an die eigne Kraft, die nimmer ruht, die immer schafft, die ringt und kämpft in dieser Zeit, damit sich nie mehr mache breit das Böse auf der Erden.

Voll Glauben an den gütigen Gott, der thronet über allem Spott, der uns und auch die ganze Welt in seinen starken Händen hält, und uns noch nie verlassen.

So fange an, du neues Jahr nie wieder kommt, was einmal war. Doch nimmer vor dem Jahr uns bangt, was es auch noch von uns Verlangt -Es ist ein Jahr des Herrn.

Januar 1940



Legende

Die Mutter Maria, die saß bei dem Kind

63 ging durch den Stall ein gar kalter Wind,

da nahm Maria das Kind in den Arm

und barg es bei sich und machte es warm.

Sie wiegt es im Arme und sang dazu: "Mein Kindelein schlaf nun in süßer Ruh!

Dein Vater im Himmel weiß schon was er tut und ist es auch schwer, so ist es doch gut".

Der Josef daneben leucht mit der Latern

und sagt: "Mein Kindl wie hab ich dich gern,

hab Mühe und Plag ghabt mein Leben lang,

doch was auch noch kommt, mir ist nimmer bang".

Ein Englein am Boden, das blies die Schalmei, der Ochs und der Esel die fraßen ihr Heu, sie sprachen wohl manches, was keiner verstand

und träumten wie wir von einem besseren Land.

Ein Hirt kam von weiten noch her in der Nacht,

ihm glänzten die Augen, das Herz hat ihm glacht, ihm war ja zumute so wundersam, er wußte es selbst nicht, was ihn überkam.

Ein Mädchen das ging an die Krippe hin, und sagt: "Du weißt doch wie gut ich dir bin, kannst du mir nicht deine Händchen geben?, dann war ich gesegnet fürs ganze Leben".

Ein junges Ehepaar das kam miteinand, sie hielten natürlich sich fest bei der Hand, sie fragten im Herzen das Kindl: "Bitt schön, wie wirds uns im Leben denn weiterhin gehn?"

Es kamen noch viele - Jung und Alt,

sie kamen von den Feldern, dem Dorf und dem Wald.

Es waren die Armen mit all ihren Sorgen,

die das Kind besuchten am Weihnachtsmorgen.

Sie brachten Geschenke mit, kleine Gaben, so wi

e sie grad konnten nach ihrem Haben,

und baten das Kind um eine bessere Zeit und mancher dacht auch an die Ewigkeit.

Ein glänzender Engel kam zuvor auf die Erden und kündt von dem Frieden, der ihnen sollt werden. Bei dem Glanz und dem Wort hat sich mancher aufgmacht und eilte zum Stall hin, in der Heiligen Nacht.

Weihnachten 1940



Legende vom Salz

"Die Sonn am Himmel, das Salz in der Erd, die beyd seind hoher Ehren werth".

Wunschlos waren die Menschen glücklich, da sie in seliger Zweisamkeit im Garten der Liebe, dem Paradiese auf Erden lebten. Und mit ihnen lebten die Vögel und alles Getier in seligem Frieden; noch kannte niemand den Haß, der einmal über die Erde fluten würde - jahrtausendelang - bis zu dem Tag, da ein neuer Himmel und eine neue Erde sein werden.

Da kam die Sünde über die Menschen und der Sünde folgte der Engel mit dem flammenden Schwert - das Antlitz des gütigen Vaters verfinsterte sich - Fluch kam über die Welt.

Und Eva, die Erdenmutter, weinte ihre ersten Tränen. Adam aber plagte sich im Schweiße seines Angesichtes, um sein Brot zu verdienen. Und Dornen und Disteln wuchsen empor, die Zeit war schwer und voller Mühsal. -In Schmerzen gebar Eva die Kinder der Erde - in Schmerzen wuchsen sie auf, in der Wildnis, und auch um sie lag der Schimmer des Leidens - Tränen und Schweiß.

Und da kam es nun, daß Gott wieder seinen Engel schickte. Er stieg zu den Menschen nieder und da er sie sah in ihrer Mühsal, sammelte er alle Tränen und allen Schweiß, die da geweint und vergossen wurden, in einer Schale aus edlem Gestein und brachte die Schale gefüllt bis zum Rand an den Thron des Vaters. Da erbarmte sich dieser der Menschen und er beschloß, alle Tränen und allen Schweiß der Menschen zu wandeln und ihnen Tränen und Schweiß in verwandelter Gestalt wieder zurückzugeben. So ist denn das Salz entstanden und es schmeckte herrlich und voller Würze und selbst die Engel des Himmels trugen Verlangen nach ihm.





Abend an der Ailette

Die Nacht sie kam,die Pappeln standen dunkel an der Straße

und ihre Blätter wiegten hin und her im Wind;

und Stille war.

Man hörte nur der Wipfel Rauschen und ihr Wehn,

als spräche leise eine Mutter zu ihrem Kind.

Das fremde Landes schien mir voller tiefen Frieden,

der Krieg mit seinen Schrecken nur ein ferner Traum.

Und doch war nichts,

als nur ein großes ungeheures Warten,

das Warten auf den Tod im ganzen Raum.

Die ewigen Sterne waren noch nicht aufgeglüht,

des Mondes Licht, es lag noch nicht auf Wald und Flur.

Da brach es los,gewittergleich - ein Feuermeer aus Eisenschlünden,

Verderben bringend dem Mensch und der Kreatur.

Der Feindhat uns mit Minen und Granaten überschüttet,

tiefer duckten wir uns bergend in die Erde.

Und sahen,wie nicht weit von uns im Todestoben

voll Angst unruhig raste hin und her ein Rudel Pferde.

Einschlag um Einschlag,

es splitterten die Bäume wie die Eisenträger

und Mauern fielen ganz in sich zusammen.

Ein schwerer Treffer bei der Fabrik, ging in die Gasbehälter,

ein dumpfer Knall und hinter uns ein Meer von Flammen.

Der Feuerschein lag glutrot überm weiten Land,

darüber ging des großen Ackermannes Schritt.

Die Felder waren aufgerissen, umgepflügt,

und manchen nahm der Tod bei diesem Ackern mit.

Allmählich ließ dann endlich dieses Toben nach,

bis auch die letzten brüllenden Geschütze schwiegen.

Wir aber blieben, als hätte eine unsichtbare Faust uns angepackt,

noch immer hingepreßt am Boden liegen.





Zum Muttertag 1941

Die Hörner bliesen und wir mußten reiten, und wieder sind die Söhne ihren Müttern fern,

der Mütter Liebe aber gehet über alle Weiten und wären wir auch auf dem fernsten Stern.

Im Schatten eines Krieges wurden wir geboren, da Angst und Sorge in den Herzen stand.

Nun hat das Schicksal selber uns erkoren, im Krieg zu stehn für unser Vaterland.

Und Söhne werden stets geboren unter Schmerzen, drum sind sie ihren Müttern auch so nah,

wir tranken ja das Blut aus unsrer Mütter Herzen, drum fühlt dies Herz mit uns, was auch geschah.

So müssen Mütter auch die größten Opfer bringen, wenn ihre Söhne wieder hin zum Kampfe ziehn,

denn wenn die Trommeln dröhnen und die Lieder klingen, dann opfern sie ihr eigenes Leben mit dahin.

Und wieder ist es so in diesen Tagen, daß unserer Mütter Sorge und ihr bittendes Gebet,

da wir in der Ferne Schlachten schlagen, behütend über unserem Leben steht.

Wir aber danken alles unsern Müttern,

dies Leben und der fernen Kindheit Glanz.

Sie wurden uns zu unserer Heimat Hütern

und unverwelkbar liegt um ihre Stirn ein Kranz.

Die Hörner bliesen und wir mußten reiten und wieder sind die Söhne ihren Müttern fern,

der Mütter Liebe aber gehet über alle Weiten und wären wir auch auf dem fernsten Stern.

Mai 1941





Zum Muttertag 1940

Mutter, ich möchte dich grüßen;

Mutter, ich habe dich lieb,

bin längst kein Kind mehr, wurde zum Manne',

doch meine Liebe sie blieb.

Mutter, ich möchte schweigen von alle dem, was war, von Sorgen um mich und Kummer, von manchem schweren Jahr.

Mutter, ich möcht dir nur sagen, daß deiner Liebe Licht, ist mir wie Schild und Wehre, die mir nimmer bricht;

ist mir in diesem Kriege linde, behütende Hand, da wir feindwärts reiten, um zu schützen das Land;

breitet wie ein Mantel über mir sich aus, geleitet trotz aller Fährnis einmal mich sicher nach Haus.

Mutter, ich möchte dir danken, möchte vor dir stehn, Deine Wangen streicheln • und dir in die Augen sehn.

Mutter, so möcht ich dich grüßen, Mutter ich habe dich lieb, bin ja kein Kind mehr, bin ja Soldat nun, doch meine Liebe sie blieb.

29.4.1940



Der Engel aber, der die Schale gefüllt hatte, brachte das Salz wieder auf die Erde und warf die Körner mit weitem Schwung in die Fluten der Meere und verbarg es im Felsgestein der Berge. Denn die Arbeit wollte Gott nicht mehr aus der Welt nehmen und den suchenden forschenden Sinn der Menschen.

Und gar bald hatten die ersten das Salz entdeckt und er dünkte ihnen einer der köstlichsten unter den Schätzen der Erde. Als dann der Turm zu Babel gestürzt und die Jahre der Wanderung begannen, da zogen die Menschen durch viele Lande und wo immer sie auch ihre Heimstatt fanden, da suchten sie nach dem Salz, um damit ihr Leben zu würzen. Und so auch die Menschen in unserer Heimat - tief gruben sie hinein in die Berge. Und da sie den Schatz geborgen, luden sie ihn auf die Schiffe, die sie gebaut, und fuhren die Ströme hinab und hinauf, um das köstliche Handelsgut anderen zu bringen. Und unter den Salzfahrern blühten Geschlechter auf, Reichtum herrschte in ihren Häusern und Reichtum zog auch in unser Land. Und gläubigen Sinnes dankten sie Gott, der im Dunkel der Erde solche Schätze geborgen. Gottes Sohn aber, der über die Erde ging, um unser Leben zu heiligen, er sprach das Wort vom Salz in der Erde, das nimmer schal werden dürfe, denn womit sollte man denn dann salzen.

Januar 1941



Michael

Es war einmal ein großer Krieg und wie alle Kriege, die über diese Welt gehen, war er böse, böse und schlecht. Die Glocken läuteten von allen Türmen und Kirchen, die Feuer brannten in der Nacht auf den Bergan und eilige Boten gingen über das Land. Auf den großen Plätzen, an Häusern und Plakatsäulen stand in großen Lettern das eine Wort: Krieg! Und der Schrecken des Krieges lag über den Ländern der Erde. Das Donnern der Geschütze rollte gleich vulkanischen Feuerstößen die Grenzen entlang und ließ die Menschen erbeben und die Granaten zerstörten in ihrem Bersten die Früchte von Jahren der Arbeit. Die Flieger tauchten mit ihren silbernen Schwingen in fernste Weiten und Geschwader um Geschwader von Bombern und Kampfflugzeugen zog durch die Luft, einmal nach Osten und wieder nach Westen und Norden, und immer brachten sie Tod und Verderben - Bomben auf Bahnhöfe, Bomben auf Fabriken, Bomben auf Kasernen und feste Gebäude, Bomben auf Häfen und Schiffe, Bomben auf Menschen -und immer Tod und Verderben. Die Kriegsschiffe blockierten die feindlichen Länder, damit der Hunger die Menschen zermürbe. Zwischen den Grenzen der Länder erhob sich Festung um Fe­stung, Werk auf Werk, Bunker an Bunker. Und zäh und hart kämpften sie um jeden Fußbreit Boden. Und Kugel und Granate, tücki­sche Mine und giftiges Gas brachte Menschen vom Leben zum Tode. Die Zeit des großen Schnitters war gekommen und viele hol­te er heraus aus dem kämpfenden Heere und reihte sie ein in die große Armee derer, die inmitten der Heiligen und Engel warten auf den Befehl des obersten Kriegsherrn, anzutreten zum letzten Appell, auf daß auf einer neuen Erde ein ewiger Friede sei.



Unter der jungen Mannschaft der Völker, die aufgerufen worden war für das Recht und das Leben ihrer Brüder zu kämpfen war auch Michael. Michael, der nicht immer gelebt hatte wie die Vielen um ihn herum, sondern seinen eigenen Weg gegangen war, einen Weg in die Stille, in die Einsamkeit. Und so war sein Leben anders geformt - härter und natürlicher. Michael war nun aufgerufen unter der Fahne des Landes zu dienen und er tat die als etwas Selbstverständliches.

Denn zwei Dinge hatte er in diesem Kriege als seine Pflicht erkannt - die Heimat und ih­re Menschen vor dem unendlichen Grauen zu schützen und dann noch den kämpfenden Kameraden beizustehen mit der Kraft sei­nes Jungen Lebens. Manchmal dachte er vielleicht auch noch an das größere Reich. Und so ging er hinaus in den Krieg in dem heiligen Wissen, daß seine Pflicht unendlich viel größer geworden. Und alles fiel von ihn-, ab, was nicht von Bestand war; in der Läuterung seines Herzens, die ihm die Nähe des Todes gebracht, blieb ihm nur mehr der Wille zur Pflicht.

Doch als er aus der Heimat ging, da war sein Weg von Tränen begleitet. Viel Traurigkeit war seinetwegen in den Herzen der Frauen, in deren Liebe er geborgen war. Denn der Tod griff ja in diesem Kriege mit harter Hand in die Geschicke der Menschen und so -wußten sie nicht, ob er glücklich wiederkehre. Wenn sie auch glaubten an Gott und den Glauben an das ewige Leben in ihren Seelen trugen, so war doch in ihnen viel Angst und viel Zweifel. Und Michael wußte darum in dem fernen Kriege, er wußte um die Liebe, die ihn umgab, er wußte um die Gebete, die für ihn zum Vater drangen und er wußte um die Tränen, die von traurigen Frauen geweint.

Michael aber stand in dem Grauen des Krieges ohne Angst und ohne Sorge, in ihm war die Sicherheit eines großen Glaubens. Er wußte um seine Wiederkehr. Und wenn auch der Tod ihn umgab und er manchmal seinen Hauch zu spüren vermeinte, immer blieb ihm das Wissen, daß er nicht am Ende seines Lebens stehe, son­dern erst am Beginn. Vieles Harte mußte er ertragen und durch mancherlei Fährnis mußte er hindurch, aber dies Wissen und dieser Glaube waren ihm Hilfe und Halt. Doch vieles wäre ihm leichter gewesen in dieser Zeit, wenn die Menschen in der Hei­mat, denen seine Liebe gehörte, mit ihm des gleichen starken Glaubens gewesen wären.

Und wie Jede Not der Menschen auf Erden einmal zu Ende geht, so ging auch dieser Krieg einmal zu Ende und vor den Augen der Menschen stieg das Bild einer schöneren Zukunft auf. Und wieder läuteten die Glocken von allen Türmen und die Feuer

brannten wieder auf den Bergen. Aber nicht mehr Feuer der Not, sondern der Freude und des Friedens. Michael war mit dem Heere heimgezogen, aber war nun nicht mehr Soldat, denn die größere Pflicht war zu Ende. Er lebte nun nur mehr für das Glück seiner Zukunft und nach Jahren der Arbeit nahm er das Mädchen, dem seit langem seine Liebe gehörte, still bei der Hand und ging mit ihm fort in ein fernes Land. Auf einer Insel, die nur vom Rauschen der Wälder und des Wassers umgeben war, der Insel des seligen Vergessens, baute er nun das Haus seines Lebens, das Haus seiner Liebe. Und niemand war auf dieser In­sel als die beiden Menschen und ihr Glück. Und nimmer ging dieses Glück von ihnen, es wurde auch nimmer kleiner, sondern wurde immer größer im Laufe der Jahre und mit der Zahl der Kinder. Doch auch in der Seligkeit ihrer Insel und ihres Glückes waren sie nicht ganz aus der Welt gegangen, immer noch lebten sie in der Gemeinschaft ihrer Freunde und teilten mit ihnen Leid und Freude. Und auch an den Sorgen und an dem Wohlerge­hen ihres Volkes hatten sie Anteil und früh schon legten sie in die Herzen ihrer Kinder die Liebe hinein zu Heimat, zum Volk und zum Reich. Doch immer gingen sie wieder auf ihre In­sel des Glückes zurück und lebten der Seligkeit ihrer Liebe bis einmal ihr Leben zu Ende war.

Das ist heute noch ein Märchen, einmal aber wird es Wirklichkeit sein.

November 1939